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Kurze Hessen & Lutherweg 1521

von Karlheinz Otto

Parallel zu diesem Rasenweg zwischen „Alte Straße“ und „Pilgrimsteg“ verläuft der „Martlieser Graben“, der im Laufe vieler Jahrhunderte durch Abnutzung und Erosion entstanden ist: Dieser vormalige Hohlweg ist ein Relikt der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fernhandelsstraße „Durch die Kurzen Hessen“, die die Messestädte Frankfurt am Main und Leipzig verband.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen … Der „Martlieser Graben“, ein Relikt der Fernhandelsstraße „Kurze Hessen“, auf der Martin Luther im Frühjahr 1521 von Worms nach Eisenach reiste. Foto: Karlheinz Otto
Durch diese hohle Gasse muss er kommen …
Der „Martlieser Graben“, ein Relikt der Fernhandelsstraße „Kurze Hessen“, auf der Martin Luther im Frühjahr 1521 von Worms nach Eisenach reiste.
Foto: Karlheinz Otto

Die „Kurze Hessen“ war die schnellste Verbindung vom Mittelrhein nach Ostdeutschland, Polen und Russland. Hier waren Kaiser und Könige unterwegs: Anhand des Straßen- und Stationenverzeichnisses Kaiser Heinrichs IV. lässt sich die „Kurze Hessen“ als bevorzugter Reiseweg des Kaisers von Worms und Mainz nach Thüringen und Sachsen im 11. Jahrhundert ermitteln, denn unter den Plätzen, an denen sich der Kaiser aufhielt und Urkunden unterzeichnete, nahm Hersfeld eine besondere Stellung ein.

Auf der „Kurze Hessen“ fuhren die Kaufleute ihre Güter in langen Wagenzügen zu den Messen nach Frankfurt und Leipzig. Welch ein Ereignis, wenn ein Geleitzug mit über hundert Männern, 150 Pferden und zahlreichen Wagen durch das kleine Dorf Kathus kam! Da immer wieder Kaufleute überfallen und ausgeplündert wurden (z. B. im Reformationjahr 1517 durch den „Edelmann“ Wigand von Lüder, einem Raubritter aus Großenlüder), bekamen sie gegen ein Entgelt Geleitschutz durch Ritter und Landesherren. Es entstanden Geleit- und Zollstätten, z. B. 1306 „Am Zollstock“ zwischen Friedewald und Hönebach.

Auf der Straße „Kurze Hessen“ – und damit auch in Kathus – herrschte lebhafter Verkehr: Die Reisenden brachten nicht nur die letzten Neuigkeiten „aus aller Welt“ mit, sondern ließen auch die eine oder andere Münze im Dorf: Der Wirt, der Schmied (z. B. Pferde beschlagen) und der Wagner (z. B. Reifen aufziehen) hatten bestimmt ihr Auskommen, und andere Kathuser waren auch gefragt, wenn Vorspann auf der steilen Strecke nach Friedewald gebraucht wurde.

Wahrscheinlich ist der Reformator Martin Luther – außer den Deutschen Kaisern – der berühmteste Reisende, der auf der Straße „Kurze Hessen“ durch Kathus kam. Auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag predigte er Anfang Mai 1521 verbotenerweise in Hersfeld und wurde dann durch den Hersfelder Abt Crado persönlich über Kathus bis zum Rande des Seulingswaldes begleitet. Am 4. Mai 1521 wurde Luther im Thüringer Wald „überfallen“ und zu seinem eigenen Schutz auf der Wartburg versteckt, wo er das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.

Im 18. Jahrhundert begann die Bedeutung der alten Heer- und Handelsstraße „Kurze Hessen“ zu schwinden. Nach der Zerstörung der Friedewalder Burg am 26. Juni 1762 gaben die Hessischen Landgrafen das Geleitrecht durch den Seulingswald auf. Im 19. Jahrhundert wurde die jetzige Bundesstraße 62 nach Friedewald gebaut, und in den 1930er und 1940er Jahren entstanden die Autobahnen A 4 und A 5, die interessanterweise parallel zur Heer- und Handelsstraße „Kurze Hessen“ verlaufen.

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